Immer diese witzigen Busfahrer.
Oft höre ich von mir: „Wenn ich eines Tages wirklich jemanden umbringe, dann eine Oma auf der Rolltreppe Hannover Hauptbahnhof oder einen witzigen Busfahrer.“
Aber der war ja eben wirklich witzig!
Wilhelmshaven, ZOB. Linie 8.
„Na, junger Mann. Wat nu? Wohin des Wegs um diese Uhrzeit?“
„Banter Ruine“
„Und was wollen Sie da?“
„Ich muss ins Hotel Atlantic.“
„Arbeiten?“
„Ich wohne da. Aber ein bisschen arbeiten muss ich noch, stimmt.“
„Is ja ’n dolles Ding. So hoher Besuch zu so später Stunde. Die Stadt schläft bereits!“
Halb neun.
„Was machen Sie denn beruflich?“ Ich überlege kurz, die Frage zu erwidern, dann antworte ich so kurz wie möglich.
Schnaufen hinterm Lenkrad.
„Uff. – So ein schöner und aufregender Beruf. –
Aber sagen Sie mal, der Herr: Was hält Er davon, wenn ich kurz beim Kiosk halte? Die Standzeiten am Bahnhof sind so kurz kalkuliert, ich hüpf schnell raus und hole mir was, sonst geh ich ein. Sie können drin bleiben. Ich fahr Sie dann auch direkt zum Hotel!“
„Na klar, kein Problem.“
Der Busfahrer murmelt entrückt vor sich hin. Fährt in eine Nebenstraße.
„Hier steigt heute sowieso niemand mehr ein. Ist eh nur ’ne Teststrecke“.
Meine Hände schwitzen leicht.
„So der Herr, brauchen Sie auch noch was von der Bude? – Ach wat, am besten kommen Sie einfach mit, dann stell ich Sie gleich allen vor.“
Wir steigen aus, der Fahrer greift hinter den rechten Scheinwerfer und betätigt einen magischen Knopf, der Bus ist zu.
Eine Tür, helles Licht. Ein paar Gestalten. Großes Hallo:
„So. Wir haben drei Minuten.“
Die nächsten drei Minuten komme ich mir vor wie George Clooney auf Kinderlandverschickung.
Der Ruhm wird vom Fahrer unterbrochen.
„So. 42 müssen wir Emsstraße sein!“ Einsteigen. Der Kioskbesitzer schenkt noch jedem von uns eine Tüte M&Ms, natürlich abgelaufen.
„So was Schönes, dass Sie Bus fahren. Da konnte ich endlich mal kurz was an der Bude holen. Auf bald, Junge! Und nicht ärgern lassen!“
Der Bus fährt vor dem Atlantic vor.
Der Fahrer hat Wort gehalten.